R. Sacher · B. Alt · L.E. Koch · M. Wuttke · U. Göhmann · B. Krocker · H.M. Bullinger
Die Manipulation in funktionell ungestörten Regionen des Bewegungssystems
Ein funktioneller Denk- und Diskussionsansatz..!
Schreiben lernen ohne Druck das leuchtet ein....!
Der neue Patronenroller von Schneider wurde von
Dr. Robby Sacher entwickelt.Er soll Kindern helfen,
den richtigen Schreibdruck zu entwickeln,
damit der Umstieg auf den Füllfederhalter
leichter von der Hand geht.Mittlerweile kann der "Base Senso" auch in gut sortierten Schreibwarengeschäften erworben werden.
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Tragen und getragen werden!
Vor der Kindertagesstätte unterhalten sich zwei Mütter über ihre Kinder:
Mein Kind ist ja sooooo intelligent, es konnte schon mit einem Jahr Laufen!
Darauf die andere Mutter: Mein Kind ist so schlau, es hat sich noch mit zwei Jahren tragen
lassen.Warum scheiden sich eigentlich die Geister, wenn es um das Tragen unserer
kleinsten Schützlinge geht? Vor allem, wenn man das Getragen werden bis hin zu
unseren nomadisch lebenden Vorfahren zurück verfolgen kann. Bei der beständigen
Suche nach Nahrung oder auf der Flucht, hatte der kleine Säugling seinerzeit keine
Chance länger irgendwo abgelegt zu werden.Hassenstein prägte 1975 den Begriff des Traglings. Diese Definiton unterschied den
Säugling von anderen Säugerjungen (Schneider 1975), die man als Mutterfolger
(Wale), Ablieger (Rehe) und Mutterhocker (Affen) bezeichnet.Auf der anderen Seite erinnern wir uns an Statuen und Gemälde von Maria und dem
Jesus-Kind. Selbst der Schutzpatron der Autofahrer, der Heilige Christophorus, trägt
das Jesus-Kind üblicherweise.Mit der Erfindung des Kinderwagens im Viktorianischen Zeitalter Ende des
19.Jahrhunderts wurden die Kinder zunehmend abgelegt, was aber zunächst nur
bessergestellte Gesellschaftsschichten betraf (Kirkilionis).
Schuckelnde Bewegungen der Wiege, um das Kind zu beruhigen, simulierten das Tragen nur.Im Laufe der Zeit lernten wir die Vorteile des Tragens immer besser zu verstehen.
Müller beschrieb 1928 positive Auswirkungen auf die Muskulatur und die Atmung.Trotzdem geriet es teilweise in Vergessenheit oder wurde auch unter dem Aspekt
des Nicht-Verwöhnens, Abhärtens und einer frühzeitigen Disziplinierung vor allem
durch die Nazi-Propaganda des Dritten Reiches gezielt in Misskredit gebracht.Anisfeld beschrieb 1990 förderliche Effekte auf die Mutter-Kind-Beziehung, indem der
Säugling durch das Anschmiegen, die Stimme der Mutter sowie Herzschlag und
Geruch erfahren kann. Andererseits ist die junge Mutter durch die Nähe in der Lage,
zeitnah die Bedürfnisse des kleinen Traglings wahrzunehmen und darauf einzugehen.
Vermutungen von Kritikern, dass einer frühen Verwöhnung Tür und Tor
geöffnet seien, haben sich nicht bestätigt. Im Gegenteil bescheinigt man solchen
Kindern eine frühere Tendenz zur Selbständigkeit.Trotz seiner lokomotorischen Hilflosigkeit (Eibl-Eibesfeldt) ist der Säugling schon
früh seiner sozialen Umwelt zugewandt. Er ahmt die Bewegungsmuster der Mutter,
die er bereits aus der Gebärmutter kennt, beim Tragen nach. Dies bedeutet für ihn
ein sensomotorisches Lernen durch Stimulation der Gleichgewichtsorgane im
Innenohr, Forderung und Förderung von Halte- und Stellsteuerung über die
Muskulatur und einen Lernprozess über eine positive Bewertung dieser Muster durch
das limbische System (Michaelis und Sacher). Die entsprechenden Programme
werden hierdurch eingespielt und perfektioniert, ein Rhythmusgefühl bildet sich aus.Anatomisch wird durch das "ligamentum iliofemorale" die biologische Haltemechanik
der Beine des Säuglings unterstützt. Es verhindert die Streckung des Hüftgelenks
und fixiert die Oberschenkel in Spreiz-Beuge-Haltung. Die zentrierte Druckübertragung
des Hüftkopfes erleichtert das Anschmiegen (Hassenstein und Eibl-Eibesfeldt).Die Veränderung der Tragegewohnheiten mit vermehrtem Ablegen des Säuglings
zeigen zumindest Zusammenhänge zu einem gehäuften Auftreten von
Hüftdysplasien im Säuglingsalter.Beim Tragen gibt es einige Dinge zu beachten. Wird der Säugling vor dem Körper
getragen, empfiehlt es sich, den Augenkontakt zwischen Kind und Eltern zu
ermöglichen. Das ist nicht nur gut für die Eltern-Kind-Beziehung, sondern bedeutet
auch eine gewisse situative Rückversicherung für beide Seiten.Durch das Festhalten gewinnt das Kind taktile Sicherheit. Die Vertikalisation
unterdrückt die Moro-Reaktion als physiologisch angelegte Schreckreaktion und hilft
dem Säugling bei der sensorischen Integration, d.h. der Entwicklung von Reflex-Motorik
in intendierte Motorik (Sacher). Bleibt die Moro-Reaktion über den Zeitraum
ihres physiologischen Auftretens hinaus Basis motorischer Bewegungsmuster, wie
wir das gehäuft bei unseren KiSS-Kindern beobachten, finden sicher später vermehrt
statomotorische Unsicherheiten, die sich dann im Verhalten auf Spielplätzen, Leitern,
Rutschen, Wackelbrücken oder beim Hochwerfen zeigen. Das Tragen bietet sich
auch und gerade bei KiSS-Kindern an.Das Tragen mit dem Gesicht in Laufrichtung dagegen überflutet den Tragling zum
einen mit einer Fülle sensorischer Informationen. Zum anderen führt die Aufhebung
der physiologischen Wirbelsäulenkyphose wiederum zu einer vermehrten
Strecktendenz der Beine, was wir in Bezug auf den negativen Einfluss auf die
Hüftgelenkspfanne und auf die vermehrte Dehnungssituation des Gefäß-Nerven-Bündels
der unteren Extremitäten ungern sehen möchten.Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass das Tragen eine Renaissance erfährt.
Hilfsmittel wie Tragetücher und Tragegestelle oder Ähnliches erfordern zwar etwas
mehr Aufwand, unterstützen aus ergonomischen Gesichtspunkten aber die Eltern in
ihrer guten Absicht. Gegner des Tragens formulieren gerne Bedenken in Bezug auf
negative Auswirkungen auf die kindlichen oder elterlichen Wirbelsäulen. Diese sind
aber bei richtiger Anwendung und körpernaher Verwendung der Trage-Hilfsmittel aus
funktionell-orthopädischer Sicht nicht gerechtfertigt.Spezielle Internetseiten und foren, sowie ausgebildete TrageberaterInnen bieten
weitere Möglichkeiten für Aufklärung und Information.Dr. med. Marc Wuttke
Chirotherapie und Manualmedizin
www.manmed.infoLiteraturliste
Sacher R (2004) Handbuch KISS KIDDs. Verlag modernes Lernen Dortmund
Sacher R, Wuttke M, Göhmann U (2007)
Wenn Babys auf Reisen gehen. Rückhaltesysteme für Säuglinge in Fahrzeugen.
pädiatr prax 70: 343-350Sacher R, Wuttke M (2007)
Babyliegeschalen wenn Babys auf Reisen gehen.
Praxis ergotherapie 3: 129-132Sacher R (2008) Gefährdungen der kindlichen Wirbelsäule. DHZ 10:23-27
Sacher R (2009) Aspekte der Halte- und Stellsteuerung im Säuglingsalter. ManMed 47(5):297-
303Sacher R, Michaelis R (2011). Moro- und Startle- Reflex. Dynamik und Funktion angeborener
Fremdreflexe. päd prax; In Publikation